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marego, die Bahn und die ermäßigte Monatskarte

Seit dem 12. Dezember 2010 gibt es nun in Magdeburg und Umgebung den Verkehrsverbund marego. Dieser löste den Verkehrsverbund Magdeburg Umland (MUM) ab. Zu deren Verbundgebiet zählt unter anderem das Jerichower Land mit der Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land mbH.

Da ich Student bin und noch bei meinen Eltern wohne, fahre ich jeden Tag mit der Bahn von Möckern nach Magdeburg und zurück. Da lohnt sich auf jeden Fall ein Monatsticket. Als Student ist dies sogar ermäßigt.

Bevor es marego gab, habe ich dafür ungefähr 79€ bezahlt. Das ist billiger als wenn ich mir ein Auto kaufe und dieses benutze. Ein MUM Ticket lohnte sich nicht, da es deutlich teurer war. Seit es marego gibt, bezahle ich nur noch 71,50€.

Um eine ermäßigte Karte benutzen zu können, brauchte ich bei der Bahn immer eine Berechtigungskarte. Dort war mein Name, Start, Ziel, Gültigkeitszeitraum, Unterschrift und normalerweise ein Stempel der Bildungseinrichtung drauf. Diese musste ich mir jedes Semester neu im DB Reisezentrum holen (also Nummer ziehen, warten, ausfüllen, abstempeln lassen). Schon dort gab es Probleme. Mehrere Mitarbeiter sagten mir, dass meine Universität kein Stempel mehr drauf setzt. Deshalb soll man immer die Immatrikulationsbescheinigung dabei haben. Also hatte ich jedes mal drei Dokumente zum zeigen in der Bahn (Monatsticket, Berechtigungsschein und Imma Bescheinigung). Das ging oft gut, aber manchmal meinten irgendwelche Zugbegleiter, dass da trotzdem ein Stempel drauf muss.

Als nun marego für mich in Frage kam, schaute ich mir die Beförderungsbedingungen an. Auf Seite 28 im zweiten Absatz des Paragraphen 5.2 steht hierzu:

Wochen- und Monatskarten zum ermäßigten Fahrpreis sind personengebunden und damit nicht übertragbar. Sie gelten nur in Verbindung mit einem gültigen Schülerausweis, einem gültigen Studentenausweis oder einer gültigen Berechtigungskarte. Diese müssen mit vollständigen Personaldaten, einem auf der Karte nicht ablösbar, fest aufgeklebten Lichtbild und der Bestätigung der Bildungseinrichtung je Schul- und Ausbildungsjahr versehen sein.

Dies freute mich natürlich. Ich brauchte ab sofort nur noch meinen Studentenausweis zeigen. Die Kriterien erfüllt dieser auch: Mein Name, ein Bild, welches ich nicht ablösen kann, und der Gültigkeitszeitraum sind drauf.

Nun, aber die Bahn wäre ja nicht die Bahn, wenn sie geschultes Personal auf die Fahrgäste loslassen. Es ist ja so, dass fast immer unterschiedliche Kontrolleure mitfahren. Irgendwann sieht man sie natürlich alle wieder, aber das kann schon ein paar Wochen dauern. Mehre gucken nur ein wenig komisch zum Studentenausweis, aber sind damit zufrieden. Jetzt hatte ich aber schon drei Erlebnisse, wo die Zugbegleiter meinten es besser zu wissen.

Beim ersten Mal sagte mir eine fast zu freundliche Frau, dass ich eine Berechtigungskarte brauche. Ihr hatte ich dann gesagt, dass es nach den Beförderungsbedingungen auch ein Studentenausweis reicht. Sie wollte mir irgendwie erklären, wieso das da wohl eher nicht steht. Jedenfalls hat sie dann nachgeschaut, aber erst nichts finden können. In ihrem Hefter (der viel besser aufgebaut ist als die Beförderungsbedingungen, die man im Internet findet) hatte sie es dann doch gefunden und bedankte sich sogar bei mir, dass sie was neues gelernt hatte.

Ich dachte mir also, dass ich mir die Bedingungen einfach mal ausdrucke, so dass ich meine Aussage auch belegen kann. Letztens hatte ich die Zettel aber ausgepackt, weil ich ein wenig Platz im Rucksack brauchte. Aber das war mein Fehler. Denn genau an dem Tag meinte wieder eine Frau (die aber nicht so nett wirkte wie die erste), dass ich eine Berechtigungskarte brauche. Ihr sagte ich das dann auch, aber sie war sich auch sehr sicher, dass es so nicht drin stand – wollte aber selber nachgucken. Da ich mein Netbook eh gerade an hatte, rief ich schon die PDF Datei auf, aber sie kam nie wieder zurück bzw. ging bei mir nur vorbei. Entweder hatte sie es vergessen oder ihr war es peinlich.

Gestern war nun das dritte Mal – wieder eine Frau. Sie war schon weiter als ihre Vorgänger. Sie wusste irgendwie, dass da was wegen Studentenausweis drin steht. Aber sie meinte dann gleich, dass ich mir doch so eine Berechtigungskarte holen soll, weil das eigentlich in den Bedingungen so komisch drin steht. Keine Ahnung wie sie auf die Idee kommt. Ich hatte mir jetzt den obigen Absatz noch einmal durchgelesen und sehe nicht, wieso ich so eine Karte zusätzlich brauche.

Auf jeden Fall werde ich so lange wie es geht versuchen zu vermeiden eine Berechtigungskarte zu holen. Wieso auch? In den Bedingungen steht es richtig verständlich drin. Und ich sehe diese als Art Vertrag, die ich mit dem Unternehmen abgeschlossen habe. Wenn sie diesen brechen, werden sie Probleme bekommen. Lieber sollte die Bahn ihre Mitarbeiter schulen.

Generell finde ich die marego ziemlich überstürzt. Bei unserem Bahnautomaten bekommt man fast nur noch deren Tickets. Diese müssen bei Fahrtantritt in so einem grünen Kasten – wie bei der Straßenbahn – abgestempelt werden. Nur gibt es noch nicht über all welche. Selbst auf dem Magdeburger Hauptbahnhof nur auf wenigen Gleisen. Hier in Möckern gibt es das Ding erst seit kurzer Zeit. Seit letzter Woche steckt dort nun ein dickes Papier oder ähnliches drin, so dass dieser nicht funktionsfähig ist. Die Busse haben seit Beginn auch diese Tickets. Ein Busfahrer beschwerte sich nur über das Ganze. Bei jedem Ticketkauf holen die ein Zettel raus – entweder steht dort irgend eine Nummer drauf, die sie eingeben müssen oder gucken, wie viel Zonen durchgefahren werden. Außerdem gibt es keine Gruppenkarten mehr. Meine ehemalige Lehrerin meinte schon, dass es sich jetzt nicht mehr lohnt, vorher diese zu kaufen (die Bahn bzw. die Busunternehmen können sich also nicht mehr drauf einstellen). Zur Umstellung gab es wohl auch Probleme mit dem Ticketverkauf – so konnte sie nicht im vornherein die Karten kaufen.

Auch so glänzt die Bahn nicht mit Kundenfreundlichkeit. Die Automaten im Zug funktionieren sehr oft nicht. Letztens hing der eine noch im Bootscreen fest. Am nächsten morgen sah dies genau so aus, wie am Vortag. Das Menü der Bahnautomaten sieht auch katastrophal aus. Hier in Sachsen-Anhalt (glaube auch in den anderen Neuen Bundesländern) gibt es das Hopperticket, womit man 50km hin und zurück für glaube ungefähr 6,50€ fahren kann. Dieses ist seit der Automatenumstellung im letzten Jahr nun völlig versteckt – ich musste anderen Fahrgästen das schon mehrfach zeigen. Seit dem marego Tarif sieht das Menü noch schlimmer aus. Seit dem jährlichen Fahrplanumstellung fährt die Bahn nur noch alle zwei Stunden (für die weggefallenen Zeiten gibt es aber Schienenersatzverkehr), aber dafür noch langsamer (bei manchen Abschnitten nur 30km/h). Begründet wird dies mit dem schlechten Zustand der Strecke und der geringen Nachfrage.

Wie man jetzt beim Bahnunglück nähe Oschersleben sah und auch den Problem mit den ICEs, war es wohl ein Fehler, dass die Bahn eine Aktiengesellschaft wurde. Diese ist wohl nur noch auf Profit aus und vernachlässigt den notwendigen Ausbau. Ich bin gespannt, wie lange dies noch gut geht.

3 Kommentare

  1. Das ist doch überhaupt garnicht schlimm, wenn man mit 21 noch bei seinen Eltern wohnt .. und immer diese Abneigung gegen Nerds. Nerds müssen nicht immer einsam und klug sein, nur weil sie vielleicht so reden .. oder so.

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