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Paranoid?

Bin ich paranoid?

Ich überschreibe meine Festplatten mehrmals mit Zufallszeichen, will auf meinem neuen Linux System das Dateisystem verschlüsseln, will die Netzzugriffe des Servers genau einschränken, wollte von meinem Blog alle persönlichen Sachen löschen, misstraue zur Zeit jeder Datei und halte nichts von Bonusprogrammen bei diversen Discountern.

Bin ich deswegen paranoid? Gegenfrage: Was ist Paranoia? Wikipedia sagt dies:

παράυοια paránoia, aus griechisch παρὰ parà = neben, daneben und νοῦς noûs = Verstand; „Paranoia“ heißt also wörtlich „neben dem Verstand“, „verrückt“, „wahnsinnig“

Ich würde nicht sagen, dass ich neben dem Verstand, verrückt oder wahnsinnig wäre. Ich mache sogar viel zu wenig für meine Privatsphäre.

Also wie komm ich dazu, dass ich zur Zeit alles etwas anders sehe? Ich habe mir in den letzten Tagen mehrere Vorträge von der CCC angeguckt, wobei mir einige Sachen klar wurden: zum einen, dass wir viel zu wenig darauf achten, was andere mit den Informationen, die wir ihnen geben, nutzen können.

Es fängt schon bei irgendwelchen Meinungsumfragen an. Manche geben dort ihr Gehalt an – vielleicht noch wie viel Stunden sie am Tag arbeiten und was für Hobbys sie haben. Dies ist ein gefundenes Fressen für Einbrecher.
Dann gibt man durch irgendwelche Anmeldungen seine Anschriften/E-Mail Adressen raus, die von anderen verkauft werden. Als Dankeschön für die Daten kriegt man dann eine Menge Spam und Werbung.

Man gibt vielleicht Informationen preis, die man in ein paar Jahren bereut und man ärgert sich dass man sie rausgegeben hat. Das Internet wird heute verstärkt von Firmen genutzt, um sich über ihre Bewerber schlau zu machen. Schlecht ist es, wenn diese auf einmal Partybilder finden, wo man total betrunken ist oder irgendwelche Freunde beschreiben, was für einen Unfug man getan hat. Aber oft können auch eher kleine Sachen schlecht für einen werden. Zum Beispiel hat man sich mal in einem Forum, von einer bestimmten Interessengemeinschaft, aufgehalten, die nicht den besten Ruf hat, wo man aber nur Offtopic Sachen geschrieben hat. Trotzdem wird man dann aber als ein Mitglied solcher abgestempelt. Ein Beispiel für so etwas wäre ein Forum einer Sekte, was man eventuell gar nicht wahrgenommen hat.

Viele denken jetzt von Blogs oder eigenen Webseiten, wo man solche Daten preis gibt. Aber im heutigen Web 2.0 (langsam gewöhne ich mich an den Begriff, wobei ich Handy 2.0 oder wie das heiß bescheuert finde) gibt es genug Seiten, wo man eine Mengen Daten von sich abspeichert. Zum einen sind dies irgendwelche Friendsnetzwerke oder Bilderalben. Ihr wisst denke auf welche Seiten ich abziele. Dort können andere Leute oft sehen, was für Freunde man hat bzw. mit welchen Leuten man sich abgibt. So können Geheimdienste schnell auf den Verdacht kommen, dass man etwas mit Terror zu tun hat, weil dort ein als Freund markierter User, den man vielleicht kaum kennt, schon vorbestraft ist und zur Zeit von diesen belauscht wird.

Belauschen? Da fällt mir doch was ein? Gab es da nicht ein Minister, den ich hier aus Anonymität *roll* nicht nennen möchte, der einen sogenannten Bundestrojaner schaffen wollte? Die Entwicklung ist anscheinend am laufen und wenn ich mich nicht irre, dann soll es schon einen funktionstüchtigen geben? (das weiß ich aber nicht genau). Nur der Gesetzestext fehlt noch. Ein Entwurf ist aber schon fertig, wo festgelegt ist, dass kein Richter dazu sein „Ja“ geben muss, was aber eigentlich anders versprochen wurde.
Wieso schreibe ich dies? Dies ist wieder ein großer Schritt in die Privatsphäre der Leute. Es wird noch versprochen, dass der Trojaner nur sehr selten eingesetzt wird usw. Aber dies kann ich nicht glauben. Was passendes dazu, habe ich letztens irgendwo gesehen: „Niemand wollte einen Sicherheitsstaat errichten.“ Ich finde das passt zu der Aussage davor ganz gut.

Noch etwas, was dazu passt, ist dies hier: Vergleichsliste DDR (Stasi) < -> Bundesrepublik (Stasi 2.0?) von Volker Birk

Was ich aber mit dem ganzen Blogeintrag sagen will: Es ist erschreckend, wie viele Leute ihre Informationen leichtfertig rausgeben. Ich bin selber einer davon und will mich aber auch ändern. Ich hoffe ihr erkennt die Problematik. Es liegt in der Natur des Menschen, dass er seine Intimität pflegen, nicht kontrolliert und nicht benutzt werden möchte.

Es heißt natürlich nicht, dass ihr im Internet nicht mehr aktiv sein sollt oder nur zugucken dürft. Jedem ist selbst überlassen, was er für richtig hält. Man sollte nur vorher überlegen, was und wie man es macht. Dabei muss zwischen Nutzen und Folgen abgewogen werden.

Ich würde mich freuen, wenn andere über dieses Thema schreiben würden, z.b. was sie über Schutz der Privatsphäre denken und eventuelle Folgen oder Beispiele nennen.

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